Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz
Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz
(1978, Dreifach-Platin)
1. Mit 18

Ich hab ein Luxus-Auto
und ich hab ne tolle Wohnung
Doch was mir fehlt,
daß ist ne richtige Dröhnung

Mit 18 rannt ich in Düsseldorf rum
War Sänger in ner Rock and Roll Band
Meine Mutter nahm mir das immer krumm
Ich sollt‘ was seriöses werden

Wir verdienten vierhundert Mark pro Auftritt
Für ne Rolling Stones-Kopie
Die Gitarren verstimmt, doch es ging tierisch los
Und wir hielten uns für Genies

Ich möcht zurück auf die Straße
Möcht wieder singen, nicht schön, sondern geil und laut
Denn Gold findt man bekanntlich im Dreck
Und Straßen sind aus Dreck gebaut

Nach jedem Gig zum Hühnerhugo
Dort verfraßen wir unser Geld
Was soll man schon machen mit den paar Mark
Ich hab mir ’n Verstärker bestellt

Ich möcht zurück auf die Straße …

An Mädchen hat es uns nie gemangelt
Auch ohne dickes Konto
Wir kratzten den letzten Dope zusammen
Und flogen ab nach …- wohin Du willst

Ich möcht zurück auf die Straße …

Jetzt sitz ich hier, bin etabliert
Und schreib auf teurem Papier
Ein Lied über meine Vergangenheit
Damit ich den Frust verlier

Ich möcht‘ zurück auf die Straße …

2. Zieh dir bloß die Schuhe aus

Deine Mutter sagte: Klaus
Zieh dir bloß die Schuhe aus.
Und dein Lehrer sagt,
daß du fürs Leben lernst
doch das Leben ist so fern

Das Arbeitsamt das sagte dann,
was der Klaus am besten kann
Deine Eltern
suchten dir Sabine aus
Ihr Vater hat in Köln ein Haus

Klaus, nun wehr dich doch
Verdammt, du träumtest doch
davon, dein eigener Herr zu sein

Dein Chef, der sagte dann zu dir:
Wenn sie sich sputen, glauben sie mir,
werden sie bei mir
nochmal ein reicher Mann
genug geredet, fangen sie an!

Seit 5 Jahren bist du schon
bei der Firma Gott & Sohn
und der Herr Gott,
der wirklich sehr lieb war
erhöhte neulich deinen Lohn

Klaus, nun wehr dich doch
Verdammt, du träumtest doch
davon, dein eigener Herr zu sein

Zu Besuch kommt Sonntags immer
deine Mutter, was ist schlimmer?
Und macht dubidubi
mit dem kleinen Sohn
Du tust freundlich – blanker Hohn

Vor paar Wochen hattest du
ein Verhältnis mit Frau Schuh
Doch die hatte bald
von dir die Nase voll
Du erfülltest nicht dein Soll

Klaus, nun wehr dich doch
Verdammt, du träumtest doch
davon, dein eigener Herr zu sein

Dein Sohn, bald 14, sagte still,
daß er Tänzer werden will
Deine Antwort war:
Das schlag dir aus dem Kopf
Tänzer, schwul und nichts im Topf

Deine Mutter sagte: Klaus
Zieh dir bloß die Schuhe aus.
Und dein Lehrer sagt,
daß du fürs Leben lernst
doch das Leben blieb dir fern

 

3. Willi Wucher

Willi Wucher, Hehlerkönig
Willi weiß, wer wo was will
Zu Willi geht man, ist man Stehler
Willi hält dicht, doch er zahlt nicht viel

Willi bringt die Bullen auf die Fährten
Auf die falschen, wie sich wohl versteht
Willi verkaufte Stadtrat Meier
Ne goldne Schweizer, die nicht geht

An Willis Tür, da hängt ein Schild:
Import – Export steht da drauf
Durch diese Türe gingen schon Herren,
Die boten Mütter zum Verkauf

Willi importiert auch Lust
Exoten hat er stets am Lager
Willi besorgt dir auch ’nen Schuß
Alles für Cash und keine Fragen

Samstags geht Willi gern zum Fußball
Auf der Tribüne ein Ehrenplatz
Der Präsident umarmt dann Willi
Weil der was zugibt zum Umsatz

Ich sah Willi nie mit Frauen
Und die Jungs erzählen sich Witze
Der Willi würd‘ auf Knaben steh’n
Besonders Griechen fänd‘ er Spitze

Ich weiß auch nicht, wo Willi herkam
Denn er war eigentlich immer schon hier
Er spricht so’n kleines bißchen rheinisch
Und er trinkt gern dunkles Bier

4. Oh Margarethe

Oh Margarethe, gib mir die Knete
Und gibst‘ mir nicht die Knete
Dann rate ich dir – bete

Du hast doch wohl nicht schon vergessen
Wer dich aus der Gosse zog
Und wer dir Brot und Arbeit gab
Und wer für dich vor den Kadi zog

Ich kann mir doch nichts aus den Rippen schneiden
Du warst doch früher so bescheiden
Du kriegst doch jetzt schon zehn Prozent
Also wenn man das nicht nobel nennt
Ich habe meine Ausgaben
Die Rolex ist kaputt, ich brauch ’nen neuen Daimler Benz
Ich muß ’nen neuen Anzug von Cerutti haben
Und mit Werner will ich nächste Woche nach Florenz

Guck doch mal Doris ihren Kerl
Der hat schon wieder ’nen neuen Targa
Und weißt du, wer ’nen Iso fährt
Du wirst’s nicht glauben, der Heinz von Marga

Die Lebenshaltungskosten steigen, Margarethe
Hör’s dir doch mal in der Glotze an
Die Rita macht am Tag zwölf Riesen
Der Werner fragt nicht lange, die muß ran

Oh Margarethe, gib mir die Knete
Und gibst‘ mir nicht die Knete
Dann rate ich dir – bete

5. Alles in den Wind

Ich hatte es mir heut morgen so fest vorgenommen
Doch jetzt ist es wieder so gekommen
Ich wollt nichts trinken, ich weiß es – ja
Doch dann war diese Angst wieder da

Mein Vater war ein Trinker, ich sollt es besser wissen
Komm dreh dich um, Marie, und wein nicht in die Kissen
Glaubst du es macht Spaß, auf die Toilette heimlich zu rennen
Und dann schnell ’nen Flachmann, ich bin dann fast von Sinnen

Dann geht’s mir gut, der Schnaps macht mich zum starken Mann
Ich habe Mut, wer will, der kann

Am nächsten Tag, ich schäme mich mal wieder
Mein Spiegelbild, ich seh‘ schon nicht mehr hin
Es fällt mir schwer, die Kaffeetasse hochzuheben
Ich bin dann hilflos, wie ein Kind

Du klagst mich an, Marie, und ich verspreche dir dann wieder
Kein Tropfen mehr – du sagst: alles in den Wind

6. Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz

Draußen ist es grau
ich sitz mit dir hier, blau
Ob ich mir ein Küßchen klau?
„Lass das doch, du alte Sau“

Liebling, lass uns tanzen,
das tut dem Blutdruck gut
Liebling, lass uns tanzen,
denn tanzen darf ein jeder Jud

Neger, die sind dunkel
Im Dunkeln läßt sich’s munkeln
An der Macht, da sind die Weißen
Darauf reimt sich …

Liebling, lass uns tanzen,
Sylvester gießen wir Blei
Liebling, lass uns lauter singen,
dann sind auch wir bald vogelfrei

Pippi ist kein Name
Und auch kein Getränk
Mancher muß schon rennen
Wenn er nur an Pippi denkt

Liebling, lass uns tanzen,
Du wackelst ja wie Kleister
Mein Hund heißt Fritz oder Franz oder so,
und wenn man ihn tritt dann beißt er

Glaubst du an den lieben Gott?
Oder an Guevara?
Ich glaube an die Deutsche Bank
Denn die zahlt aus in bar – aaah

Liebling, lass uns tanzen,
hast du noch nen Pfefferminz?
So, und nun gib mir nen Kuß,
mit Pfefferminz bin ich dein Prinz

7. Dicke

Ich bin froh, daß ich kein Dicker bin
Denn dick sein ist ’ne Quälerei
Ich bin froh, daß ich so’n dürrer Hering bin
Denn dünn bedeutet frei zu sein

Mit Dicken macht man gerne Späße
Dicke haben Atemnot
Für Dicke gibt’s nichts anzuzieh’n
Dicke sind zu dick zum flieh’n

Dicke haben schrecklich dicke Beine
Dicke hab’n ’nen Doppelkinn
Dicke schwitzen wie die Schweine
Stopfen Fressen in sich ‚rin

Und darum bin ich froh, daß ich kein Dicker bin
Denn dick sein ist ’ne Quälerei
Ich bin froh, daß ich so’n dürrer Hering bin
Denn dünn bedeutet frei zu sein

Dicke haben Blähungen
Dicke hab’n ’nen dicken Po
Und von den ganzen Abführmitteln
Rennen Dicke oft auf’s Klo

Und darum bin ich froh, daß ich kein Dicker bin
Denn dick sein ist ’ne Quälerei
Ich bin froh, daß ich so’n dürrer Hering bin
Denn dünn bedeutet frei zu sein

Dicke müssen ständig fasten
Damit sie nicht noch dicker werd’n
Und hab’n sie endlich zehn Pfund abgenommen
Dann kann man es noch nicht mahl seh’n

Dicke hab’n ’s auch schrecklich schwer mit Fraun‘
Denn Dicke sind nicht angesagt
Drum müssen Dicke auch Karriere machen
Mit Kohle ist man auch als Dicker gefragt

Und darum bin ich froh, daß ich kein Dicker bin
Denn dick sein ist ’ne Quälerei
Ich bin froh, daß ich so’n dürrer Hering bin
Denn dünn bedeutet frei zu sein

Na du fette Sau!

8. Giselher

Ich kann mich erinnern, da war dein Haar
Ich kann mich erinnern, wie ich wild auf dich war
Es ging um ein Jahr, um ein Leben zu zweit
Vielleicht warst du für mich schon zu weit

Und nun vergeß‘ ich schon deinen Namen
Vergeß‘ deinen Gang, deinen Blick, dein Gesicht
Und auch dein Lachen, das weiß ich nicht
Deinen Ring, den hab‘ ich vergraben

In deinen Händen war eine Linie
Die schein auf etwas wie Liebe zu zeigen
Da war das Gerede von Inseln und von Glück
Du wolltest in Wälder und es gab kein zurück

In unserm Zimmer hing unser altes Gesicht
Unsere Körper wurden allmählich grau
Dein Arm wurde schwer, und ich wollte nicht
Daß wir vereisten in unserem Bau

Es ging ein Wind und es fuhr eine Bahn
Ich hab dir sogar noch den Koffer getragen
Die letzten Wochen, nur ein kurzer Wahn
Du wolltest die Abfahrt noch gerne vertagen

Nun also mein Peter, dein letztes Brot
Und in deinem Bart ein letzter Rest Bier
Die übliche Sonne ist immer noch rot
Und ich fühl mich wohler mit Giselher

9. Grüß‘ mir die Genossen

Neulich, 6 Uhr früh, tritt man mir die Tür ein
Ich spring aus dem Bett, da stürmt die Polizei rein
Los stellen sie sich an die Wand, man hat sie erkannt
Ein Nachbar rief uns an: Sie sind ein Sympathisant
Ich sag: Das muß ein Irrtum sein, ich bin doch bloß ein Bürger
Doch die pflügen mir die Wohnung um, als wäre ich ein Würger

In dem großen grünen Wagen darf ich dann mitfahren
Ich frag nochmal: Wieso? – Das werden sie schon erfahren
Im Präsidium dann Verhöre – ich weiß von nichts, ich schwöre
Da brüllt mich einer an, daß ich die Ordnung störe
Morgen kommt ihr Anwalt, jetzt bleiben sie erst mal hier
Sie kriegen ein schönes Einzelzimmer, Zelle Nr. 4

Irgendwelche Verrückte entführen in dieser Nacht dann
einen Düsenjet und legen sich mit Helmut an
Mein Anwalt darf nicht kommen, die Sicherheit geht vor
Da lieg ich nun auf Eis und quatsche meine Wand an
Nach Wochen stellt sich endlich raus, mein Nachbar ist bekannt
Der zeigt fast täglich Leute an, nach seiner Pensionierung wurd‘ er Denunziant

Wir tun nur unsere Pflicht, das Tor wird aufgeschlossen
Der Schließer sagt noch grinsend: Grüß mir die Genossen
Eines wird mir klar, wenn irgendjemand schreit
Gesetze müssen her! dem hau ich auf die Flossen
Ja, eines ist mir sonnenklar: falls wir glauben sollten,
Terror könnt man durch Terror bremsen, dann sind wir bald wieder soweit

10. Johnny W.

Johnny Walker, jetzt bist du wieder da
Johnny Walker, ich zahl dich gleich in bar
Johnny Walker, du hast mich nie enttäuscht
Johnny, du bist mein bester Freund

Johnny Walker, immer braungebrannt
Johnny Walker, mit dem Rücken an die Wand
Johnny Walker, komm, gieß dich nochmal ein
Johnny, lass dreizehn gerade sein

Ich habs versucht, ich komme ohne dich nicht aus
Wozu auch? – du gefällst mir ja
Kein Mensch hört mir so gut zu wie du
Und Johnny, du lachst mich auch nie aus

Johnny Walker, ich glaub nicht an den Quatsch
Johnny Walker, du wärst ne Teufelsfratz‘
Johnny Walker, von mir aus röste mich
Johnny, ich fühl mich königlich

Mehr Info

MUSIKER

Marius Müller-Westernhagen: Vocals, Harmonica, Chor & Percussion
Karl Allaut: Guitar
Nick Woodland: Guitar, Chor & Percussion
Jean Paul Zimbris: Drums
Lothar Meid: Bass
Olaf Kübler: Sax
Jean Jacques Kravetz: Keyboards, Chor & Percussion

CREDITS

Produzent: Lothar Meid
aufgenommen in Musicland/München vom 25. bis 30.6. und 8.7.1978,
Ingenieur: Peter Lüdermann
gemischt in Union Studio/München am 14. und 15.8.1978,
Ingenieur: Zeke Lund
Cover-Konzeption: Marius Müller-Westernhagen
Photographie: Michael Ballhaus
Design: Franz Froeb
Innenphotos: Stefan Zobel, Klaus Koch

KONFIGURATIONEN

29.09.1978 | WEA 2292421741 | LP
29.09.1978 | WEA 2292421744 | LP
27.02.1987 | WEA 2292421742 | CD
30.07.1993 | WEA 4509932292 | 3 CD Set
13.11.2000 | WEA 8573855102 | CD, digitally remastered
04.11.2002 | WEA 2202940049370 | 2 CD Box,
digitally remastered

EDELMETALL

14.04.1981 | Gold
20.07.1987 | Platin
17.10.1991 | Doppel-Platin
12.02.1999 | Dreifach-Platin

CHARTS

09.03.1981 | P19 | W41

MTV Unplugged
Alphatier
Das Herz eines Boxers
Stinker
Sekt oder Selters
Ganz allein krieg ich's nicht hin
Bittersüß
Das erste Mal
Williamsburg
Wunschkonzert
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In den Wahnsinn
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Peter und der Wolf
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