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So, 24.10.2010 20:00 Uhr TUI Arena EXPO-Plaza 7 30539 Hannover
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Neue Presse 25.10.2010 |
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12.000 rocken mit Westernhagen in Hannover
Mit Blues, Country & Rock ’n’ Roll. Westernhagen klang Sonntagabend in der TUI-Arena traditioneller denn je und hatte damit 12.000 Fans auf seiner Seite.
Westernhagen! Nix wie rein in die Musik. Schal und Sonnenbrille trägt der Schlaks, schnieke-petete, wirft Beine, streckt die Zunge raus. Bisschen Superstar ist noch zu spüren, mehr aber wieder der alte Rotzlöffel der 70er mit gefühlter Schleuder in der Popotasche der Röhrenjeans. Zwei, drei „Dankeschön“, ein Geständnis: Text vergessen. Kommt bei den Besten vor, Marius.
Zweistundenundzerquetschte gibts in der TUI-Arena gestern Rock‘n‘Roll der schmutzigschönen Sorte. Sogar das an David Bowies „Helden“ angelehnte „Es geht mir gut“ hat diesmal Bourbon im Blut. Die Fans freut das durchaus. Sie stellen Chöre bei „Willenlos“: „Ihr Name war Carmelita ....“ Hallo, Leute! Hallo, Theo gegen den Rest der Welt!
Eine überwiegend amerikanisch besetzte Großkapelle ist 2010 an Westernhagens Seite, und die scheppert und dampft oft so britisch wie die Stones, als die Anfang der 70er endlich wieder aus dem Bluesbrunnen soffen und mit Countryrockerfinder Gram Parsons große Cowboybrötchen buken. Die Gitarre bei „Ich bin fertig mit dir“ lässt Wetten zu, dass Keith Richards irgendwo in den Kulissen Saiten zergelt.
Der Ex-Chartsbelieferer Marius weilt inzwischen im Exil vom Mainstream – bei den Traditionen. Die meisten der Soli – Gitarre, Orgel, Saxofon – sind zwar eher von der Klasse „passt schon“ als „genialisch“, aber seit dem Probelauf im Berliner Postbahnhof vor Monatsfrist hat sich viel getan in Sachen Bandgefühl. Noch ein „zwar“: Zwar werden die Songs vom neuen Album „Williamsburg“ von den Fans verhaltener aufgenommen als die Klassiker, aber das liegt doch eher an der Ignoranz der Rundfunksender. „Williamsburg“ ist eindeutig ein Werk der Lust, nicht des Kalküls, kein Drang mehr nach Nummer-Einsen. „Heilig ist die Musik“, grölt Marius in „Wir haben die Schnauze voll, „verflucht, wer sie betrügt!“ Ganz genau.
Ach ja, die Lyrik ... oje! „Erwachsene und Kinder / alle sind wir Sünder ...“ dröhnts durch die Saalnacht. Ist das jetzt Künstlerposition oder Rollenspiel oder einfach nur zum Tiefsinn-Hineindenken hingeworfener Provokationsblödsinn, weils eben passt zum bösen Blues. Marius macht zu diesem stoppligen Beat von Religion, Revolution, Obama, letztem Furz und Tod auf John Lee Hooker, und die Band (und Teile des Publikums) röhrt dazu „Hey! Hey!“. So ganz schlüssig war das bei Marius mit den Texten ja eher selten. Man hat sich immer schön seinen Reim drauf gemacht, wegen seiner coolen Filmfigur Theo, die man mit ihm gleichsetzte und wegen der Weisheit der Straße, die man in Marius vermutete. „Ich bin ein Mann zwischen den Zeilen, mich kann man nicht erklären“ heißts in einem der neuen Lieder. Naja, Hauptsache Stimmung, oder?
Die ist stetig am Steigen. Aufschwungslaune in der TUI! Man glaubt mit dem Nachkrisen-Marius sogar wieder „an die deutsche Bank“, als der „Pfefferminzprinz“ erst schwerfällig bluessatt anhebt und dann auf Rock'n'Roll-Tempo kommt. „Baby, lass uns tanzen!“ Viele tuns. Das Wundern ist des Müller-Westerhagens Lust. Ein wenig Rührung muss auch heute wieder sein, das gespielte Staunen des im Herzen immer noch kleinen Mannes über die Treue der Leute: Dank dafür, dass alle gekommen sind und der Spass so groß gerät. Bisschen kitschnah ist das ja schon, aber, bei „Sexy“ sehen doch einige hier so aus, als ob sie tatsächlich gekommen sind, gefangen zwischen langen Beinen der Silhouette auf dem Video, schwitzend, grölend, hohe Stiefel leckend. „Sek-sää!“ röhrt der Chef. Und die herrlich unbestuhlte TUI-Arena singt mit, ein lautvergnügtes Eros-Center: „Was hast du nur aus diesem Mann gemacht?“
61 ist der Alte, und obwohl er nicht mehr so wild wirbelt wie früher, wagt niemand das Wort vom Opi Marius. Wenn er zum Ende hin mit der grandiosen Gospelröhre Della Miles zum ruchlosen „Wieder hier“ antritt, wirkt er geradezu unsterblich. Forever young. „Engel“, „Freiheit“, „Johnny Walker“ noch, ein Bourbon für alle, der beste Freund kommt immer zum Schluss.
Und: Marius, du hast uns nicht enttäuscht. 4 Sterne |
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Hannoversche Allgemeine 25.10.2010 |
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Marius Müller-Westernhagen spielt vor 12.000 Fans in Hannover
Irgendwas dazwischen: Marius Müller-Westernhagen und 12.000 Fans haben am Sonntagabend in der TUI Arena viel
Spaß miteinander. Auch mit seinen 61 Jahren hat er seine Fans noch zum Tanzen gebracht. Vor ein paar Wochen hat Marius Müller-Westernhagen in einem kleinen Klub in Berlin gespielt. Aufwärmrunde für die große Tournee, 500 Zuhörer, Blues, Rock, Balladen und ein Hauch von Alterswerk. So könnte man sich die Sache vorstellen mit dem 61-Jährigen, der mal der Marius war, dann Herr Westernhagen und nun irgendetwas dazwischen. Zwischen Jeans und Armani-Anzug. Zwischen dürrem Theo-Hering und weisem Hai.
Dazwischen ist ohnehin ein Begriff, der vieles beschreibt, was der Entertainer jetzt macht. Zum Beispiel am Sonntagabend in Hannover: Als in der bis unters Dach gefüllten TUI Arena um 20.30 Uhr das Licht ausgeht, warten 12.000 Fans gespannt, was ihnen ihr Ma-ri-us zu bieten hat. Er hatte den großen Arenen bereits abgeschworen, das dann aber später korrigiert. Die Stadien habe er gemeint. Wer 12.000 Zuschauer als Zwischengröße sieht, muss wirklich mal ein Superstar gewesen sein.
Womit mag es losgehen, nachdem ein bisschen Revuemusik vom Band den Abend einläutet? Mit etwas Altem? Etwas Neuem? Die Gitarrenriffs, die sich ins Intro mischen, geben die Antwort: Es ist etwas dazwischen. „Jesus“, ein Song aus den Neunzigern, rollt durch den Saal. Der Vorsänger, enge Hose, weites Hemd, Seidenschal, Lennon-Brille, aber mit Goldrand, röhrt wie ehedem, als ob er sagen wollte: „Hört mal, ich kann’s noch!“ Effekt: Die Menge gerät in Bewegung. Das kann er. Wie kaum etwas anderes. Viele Graumatten im Publikum zeigen zwar: Auch seine Jünger werden älter, aber: Sie kommen, wenn er ruft, und tanzen, solange es geht. Und unten, im unbestuhlten Innenraum, machen sie Oldschool-Party: Sie klatschen in die Hände, anstatt mit den Armen zu fuchteln oder mit dem Handy zu winken. Sieht man ja auch nicht mehr so oft.
Die Bühne ist groß, aber einfach, das Licht geschmackvoll, eine große Videowand und drei kleine Exemplare garnieren die Songs mit Bildern und Filmchen, oft einfallsreich, manchmal auch jenseits der Kitschgrenze. Aber an einem so nostalgisch aufgeladenen Abend passt ein bisschen Kitsch gar nicht so schlecht. Schließlich ist der Dienst am Fan Pflicht und Schuldigkeit alternder Rockstars. Das Volk will den Rück-, nicht den Ausblick. So werden manche Künstler zu ihrer eigenen Coverband.
Doch diese Gefahr läuft Westernhagen schon deshalb nicht, weil er nach wie vor neue Songs veröffentlicht – und seine Zuhörer in Hannover damit zunächst auf eine kleine Geduldsprobe stellt. Eher gemächlich schaukeln die Stücke vom neuesten Album „Williamsburg“ durch den Saal. Texte, die wie „Typisch du“ ein bisschen melancholisch sind und eher resümieren denn provozieren. Und auch ein Song wie „Wir haben die Schnauze voll“ ist mehr Attitüde als Haltung. Seine Zehnmann-Band schafft mit ihrem Bluesrock zwar eine ganz coole Szenerie, doch die Typen in den Liedern rauchen nicht Camel ohne, sondern Milde Sorte.
Die Fans halten sich zunächst noch zurück, als ob auch sie ihr Pulver nicht zu früh verschießen wollten – und weil Westernhagen seine Klassiker auch zunächst dosiert einstreut: „Es geht mir gut“, „Fertig“, und bei „Willenlos“ geht es dann erstmals richtig los. Langsam kommt die Show auf Temperatur, ein hochlaszives Duett mit seiner Backgroundsängerin zu „Aber lieben werd ich dich nie“ ist ein wunderbarer Moment zwischen Rock-’n’-Roll-Erotik und augenzwinkernder Persiflage auf den Amüsierbetrieb.
Ohnehin scheint das Alter ihm ein bisschen Lockerheit im Umgang mit sich selbst eingeflüstert zu haben. Statt den Messias zu geben wie früher, nimmt er sich selbst hoch: „Als ich vorhin den Text vergessen habe“, sagt er und zeigt auf seinen musikalischen Direktor, „das war seine Schuld.“ Dafür muss der gute Mann, wie fast alle in der Band Amerikaner, die Kollegen auf der Bühne selbst vorstellen.
Das hannoversche Publikum zeigt sich dafür und für vieles andere dankbar. Dankbar für die Songs, aber auch dankbar für eine gute Zeit, die der Mann einem mal beschert hat, als keine Party ohne seine Lieder zu Ende ging. „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ rauscht durch die Halle, drei Minuten deutscher Rockgeschichte (mit kleinem Mitsingnachklapp), „Sexy“ ist und bleibt eine unverwüstliche, treibende Rocknummer, und „Mit 18“ eröffnet die Zugaben, zunächst mit dem langsamen Blues-Intro und dann im soliden Rocktempo. So, wie der ganze Abend ist. Der Saal tanzt. Und schließlich gehen alle ganz gemütlich mit „Johnny Walker“ ins Bett.
Der Kater heute könnte ein Muskelkater sein. |
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Bild 25.10.2010
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Wahnsinn, Westernhagen
12000 Fans feiern Kult-Star
Er tigert, er trippelt, er tanzt - und macht 12000 Fans in der TUI Arena heiß, wie lange nicht mehr: "Hey Hey", Kult-Start Westernhagen (15 Millionen verkaufte Platten) ist wieder hier!
Poppige Sonnenbrille, Pünktchen-Hemd, Seidenschal: Marius auch mit 61 und über 30 märchenhaften Karriere-Jahren der smarte Prinz mit Pfefferminz. Noch souveräner, noch cooler, noch lässiger liefert er seine wuchtige Deutschrockdröhnung ab. harter Gitarrensound läutet den Song "Jesus" ein.
Himmlisch, finden die Fans, feiern. "Wir haben die schnauze voll": Bundesverdienstkreuzträger Westernhagen röhrt's rebellisch in die Arena und das Fan-Volk stimmt stürmisch ein. Der Song vom aktuellen Album "Williamsburg" (nach dem New Yorker Stadtteil) zündet.
Das Beste gibt's wie immer zum Schluss: "Mit 18", "Sexy", die Schunkel-Hymne "Freiheit" und "Johnny Walker" als Absacker.
Verzückte Fans, funkelnde Feuerzeuge nach zweieinhalb Stunden Show, 26 Songs, davon 8 Zugaben. Fazit: Furioses Comeback nach 5 Jahren Tourpause. |
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