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Wieder hier, in seinem Revier
Marius Müller-Westernhagen rockt durch die großen Hallen Deutschlands
Er geht auf Nummer sicher: Gleich zu Beginn die alten Hits, dann erst - für den Rocker Westernhagen fast demütig - sechs Stücke aus dem neuen Album. Und natürlich die Wendehymne.
Marius Müller-Westerhagen, wohl der letzte echte Rocker Deutschlands, ist wieder hier, in seinem Revier. Zehn Konzerte gibt er, zehn Mal 26 Songs, die die großen Hallen Deutschlands zum Toben bringen. Samstag Köln, Sonntag Dortmund: In den Musiktempeln des Ruhrgebiets bringt sich Westernhagen nachdrücklich in Erinnerung.
Zweieinhalb Stunden ist er auf der Bühne in Bewegung, begleitet von erstklassigen Musikern. Seine eigene Choreografie besteht für den Mann im perfekt sitzenden Anzug mit der John-Lennon-Gedächtnisbrille aus ständiger Bewegung. Er wippt, läuft, will den Unnahbaren geben und sucht doch die ständige Nähe zu seinen Musikern - und vor allem seinem Publikum.
Trotz Grippe klingt seine Stimme so angenehm kratzig wie in den besten Zeiten, genau genommen sind es seine besten Zeiten. Das neue Album "Williamsburg" ist mehr als nur die Perfektion des Rocks der alten Schule. Die Musik ist tiefgründiger geworden, er verbindet Reife mit dem ungestümen Drang zu swingen, zu rocken, Unglaublich schön die Blues-Einlagen mit der als Background-Sängerin unter Wert eingesetzten Della Miles.
So steigert er sich auch mit ihr im Duett zur eigentlichen Hymne des Abends "Wieder hier". Da spätestens hat der 1948 in Düsseldorf geborene Musiker seine scheinbare Distanz zum Publikum längst aufgegeben, er feiert Party - wie alle eben, die die Freiheit wirklich lieben.
Die lange Tourpause - fast fünf Jahre, von den wenigen Geburtstagskonzerten abgesehen - hat ihm gut getan. Er brennt auf der Bühne, kann das Wechselspiel von Geben und Nehmen genießen.
Pausen mag er noch immer nicht, nur einmal verschwinden alle für unendliche sechs Minuten von der Bühne. Das Publikum, erst leicht irritiert, übernimmt die Initiative, feiert sich und ihren Star. "Oh wie ist es schön" stimmt der BVB-Fanblock an und erlebt einen wirklich berührten Westernhagen bei der Rückkehr auf die Bühne.
Er ist von der ersten bis zur letzten Minute seines Konzertes unglaublich präsent. Auf keinen einzigen Hit müssen die Fans verzichten. Aber das unterscheidet Marius Müller-Westernhagen von vielen anderen: Er spielt sie, weil sie noch immer aktuell sind und nicht, um an vergangene Zeiten wehmütig zu erinnern.
Natürlich kommt zum Schluss die Wendehymne, bevor mit Johnny W. das restlos begeisterte Publikum mit einem ins Gesicht gezauberten Lächeln in die kalte Dortmunder Nacht entlassen wird.
Er ist wieder hier!
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