Konzerte
 



So, 17.10.2010
20:00 Uhr
Westfalenhalle 1
Rheinlanddamm 200
44139 Dortmund
 
WAZ
18.10.2010

Westernhagens Party mit Bluesrock-Ausflügen

Sein Weg war weit, vom Pfefferminz-Prinz zum König des Bluesrock made in Germany. Jetzt ist er wieder hier in seinem Revier: Marius Müller-Westernhagen, der am Sonntagabend mit 11.000 Fans in der Westfalenhalle eine emotionale Reise unternahm zwischen altbewährten Partykrachern, neuen Songs und wirklich tollen Gänsehautballaden.

Es hat lange gedauert, genauer gesagt fünf Jahre, bis Marius Müller-Westernhagen wieder auf Tour gegangen ist. Und MMW ist ein Phänomen. Obwohl er mit den Songs aus seinem aktuellen Album „Williamsburg“ keinen einzigen Hit landete, spielt er fast überall in ausverkauften oder annähernd ausverkauften Arenen.

Das zweieinhalbstündige Konzert beginnt mit unter Big Band-Sound kreisenden Scheinwerfern, die ihr Licht auf einen blauschimmernden Vorhang werfen - wie dereinst bei Frank Sinatra oder Dean Martin. Ein frecher Gitarren- und Basssound durchbricht das artige Big Band-Einerlei. Und der 61-Jährige schreitet, fast schon majestätisch in edlem Zwirn, unter dem Jubel der 11.000 Fans auf die Bühne.

Fegte er früher wie ein Derwisch über den Laufsteg, gefolgt von theatralisch inszenierten Passagen seiner bekannten Trippelschritte, so wirkt er an diesem Abend eher distanziert, fast schon arrogant, kühl. Doch das Publikum verzeiht ihm dies, da er musikalisch an diesem Abend in bestechender Form ist.

Rotzig und frech

Seine Stimme rotzig und frech wie eh und jeh, zudem hat er den Blues in der Stimme. Und eine fantastische Band im Rücken, allen voran auch die beiden Backgroundsänger Ron Jackson und Della Miles. „Es geht mir gut“, singt der bekennende BVB-Fan ins Mikrofon, und das obwohl er tagelang an einer hartnäckigen Virusinfektion litt.

Erstaunlich gut aufgenommen haben die Fans die neuen Sachen, obwohl sie längst keinen Kultstatus wie „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ (mit einem fantastischen Blues-Intro), „Sexy“ „Willenlos“ oder „Mit 18“ genießen. Aber da kommt dann immer die Band ins Spiel. Glänzende Soli, mal von der Gitarre, mal von den Keyboards oder dem glänzenden Saxophon. Dazwischen reihen sich die Stücke „Hey, Hey“, „Zu lang allein“ oder „Ein Mann zwischen den Zeilen“ musikalisch nahtlos ein, wenngleich die Stimmung im Hallenrund etwas zurückgeht.
Acht Zugaben

Allein acht Zugaben gibt MMW an diesem Abend. Und dabei ist es nicht selbstverständlich, dass er Backgroundsängerin Della Miles in die erste Reihe stellt mit ihrem Song „Baby I Want You“. Das Publikum entlässt Westernhagen nach zweieinhalb Stunden mit zweien seiner absoluten Kulthits „Freiheit“ und zuletzt als „Gute-Nacht-Kuss“ noch unplugged „Johnny Walker“.

Bleibt zu hoffen, dass es von der Live Tour 2010 einen ebenso guten Live-Mitschnitt gibt wie 1992, der in der Westfalenhalle aufgezeichnet wurde.
 
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18.10.2010

Westernhagen so fit wie nie

Er ist 61 Jahre alt und rockt zwei ausverkaufte Konzerte in 24 Stunden! Er hüpft. Er tanzt. Er singt. Und dabei schwitzt er nicht mal. Dieser Mann ist ein Fitness-Wunder.

Bis Samstag hatte Marius Müller-Westernhagen (61) zwei Tage krank im Bett gelegen – ein übles Virus hatte ihn erwischt. Marius: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich abends auf der Bühne stehe.“ Doch so ein schnödes Virus kann den top-fitten Oldie offenbar nicht stoppen.

In nur 24 Stunden lieferte Marius am Wochenende zwei Top-Konzerte in Köln (Arena, 14 000, ausverkauft) und Dortmund (Westfalenhalle, 11 000, ausverkauft) ab. Jedes zweieinhalb Stunden lang, 26 Songs (inklusive acht Zugaben!).

Westerhagen war fast pausenlos mit seinen typischen Trippelschritten auf der 30 Meter breiten Bühne unterwegs. Grenzenloser Jubel bei den großen Hits wie „Mit Pfefferminz“ „Sexy“ und „Freiheit“. Verhaltener reagierten die Fans auf die neuen Songs aus dem Album „Williamsburg“.

Was ist das Geheimnis seiner Fitness? Westernhagen (70 Kilo, 1,83 Meter) joggt jede Woche mindestens dreimal eine Stunde, Zuhause hat er einen eigenen Fitness-Raum. Sein Hausarzt bescheinigte ihm jetzt das „biologische Alter eines gut durchtrainierten 38-Jährigen“.

Obwohl sein Vater Kettenraucher war (100 Zigaretten pro Tag), hat Marius noch nie in seinem Leben eine Kippe angezündet. Das schönste Geheimnis seiner Fitness aber heißt Romney – „mein Frau und Ruhepol“ – seit über 20 Jahren.
 

Hellweger Anzeiger
19.10.2010

Wieder hier, in seinem Revier

Marius Müller-Westernhagen rockt durch die großen Hallen Deutschlands

Er geht auf Nummer sicher: Gleich zu Beginn die alten Hits, dann erst - für den Rocker Westernhagen fast demütig - sechs Stücke aus dem neuen Album. Und natürlich die Wendehymne.

Marius Müller-Westerhagen, wohl der letzte echte Rocker Deutschlands, ist wieder hier, in seinem Revier. Zehn Konzerte gibt er, zehn Mal 26 Songs, die die großen Hallen Deutschlands zum Toben bringen. Samstag Köln, Sonntag Dortmund: In den Musiktempeln des Ruhrgebiets bringt sich Westernhagen nachdrücklich in Erinnerung.

Zweieinhalb Stunden ist er auf der Bühne in Bewegung, begleitet von erstklassigen Musikern. Seine eigene Choreografie besteht für den Mann im perfekt sitzenden Anzug mit der John-Lennon-Gedächtnisbrille aus ständiger Bewegung. Er wippt, läuft, will den Unnahbaren geben und sucht doch die ständige Nähe zu seinen Musikern - und vor allem seinem Publikum.

Trotz Grippe klingt seine Stimme so angenehm kratzig wie in den besten Zeiten, genau genommen sind es seine besten Zeiten. Das neue Album "Williamsburg" ist mehr als nur die Perfektion des Rocks der alten Schule. Die Musik ist tiefgründiger geworden, er verbindet Reife mit dem ungestümen Drang zu swingen, zu rocken, Unglaublich schön die Blues-Einlagen mit der als Background-Sängerin unter Wert eingesetzten Della Miles.

So steigert er sich auch mit ihr im Duett zur eigentlichen Hymne des Abends "Wieder hier". Da spätestens hat der 1948 in Düsseldorf geborene Musiker seine scheinbare Distanz zum Publikum längst aufgegeben, er feiert Party - wie alle eben, die die Freiheit wirklich lieben.

Die lange Tourpause - fast fünf Jahre, von den wenigen Geburtstagskonzerten abgesehen - hat ihm gut getan. Er brennt auf der Bühne, kann das Wechselspiel von Geben und Nehmen genießen.

Pausen mag er noch immer nicht, nur einmal verschwinden alle für unendliche sechs Minuten von der Bühne. Das Publikum, erst leicht irritiert, übernimmt die Initiative, feiert sich und ihren Star. "Oh wie ist es schön" stimmt der BVB-Fanblock an und erlebt einen wirklich berührten Westernhagen bei der Rückkehr auf die Bühne.

Er ist von der ersten bis zur letzten Minute seines Konzertes unglaublich präsent. Auf keinen einzigen Hit müssen die Fans verzichten. Aber das unterscheidet Marius Müller-Westernhagen von vielen anderen: Er spielt sie, weil sie noch immer aktuell sind und nicht, um an vergangene Zeiten wehmütig zu erinnern.

Natürlich kommt zum Schluss die Wendehymne, bevor mit Johnny W. das restlos begeisterte Publikum mit einem ins Gesicht gezauberten Lächeln in die kalte Dortmunder Nacht entlassen wird.

Er ist wieder hier!

 


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